Die kurze Antwort

Bringen Sie beide Angebote auf denselben Jahreswert und dieselbe Arbeitszeit. Ziehen Sie danach unterschiedliche Pendel- und Wohnkosten ab und bewerten Sie Vertrag, Probezeit sowie Entwicklungsmöglichkeiten getrennt. So vermeiden Sie, Geld, Zeit und Risiko in eine einzige Zahl zu pressen.

Ein Vergleich scheitert oft bereits an der Einheit. Angebot A nennt 7'200 Franken pro Monat bei 13 Monatslöhnen, Angebot B 7'700 Franken bei zwölf Monatslöhnen. Dazu kommen unterschiedliche Wochenstunden, Arbeitswege und Leistungen. Ein Blick auf die Monatszahl führt dann in die falsche Richtung.

1. Wie hoch ist der garantierte Jahreslohn?

Multiplizieren Sie den festen Monatslohn mit der vertraglich garantierten Zahl der Auszahlungen. Trennen Sie sichere Bestandteile von Bonus, Provision, Spesen und freiwilligen Leistungen. Ein Bonus mit Zielwert ist nicht dasselbe wie garantierter Lohn.

Vergleichen Sie ausserdem denselben Beschäftigungsgrad. Ein 90-Prozent-Angebot kann trotz tieferem Jahreslohn einen höheren Wert pro Arbeitsstunde und mehr nutzbare Zeit bieten.

2. Wie viel Zeit wird für diesen Lohn verkauft?

Notieren Sie Wochenarbeitszeit, Ferien, bezahlte Feiertage, Schichtmodell und erwartete Überstunden. In der Schweiz unterscheidet das Arbeitsrecht zwischen vertraglichen Überstunden und Überzeit oberhalb der gesetzlichen Höchstarbeitszeit. Vertrag und anwendbarer Gesamtarbeitsvertrag können die praktische Entschädigung beeinflussen.

Die Informationsseite ch.ch nennt für die gesetzliche Höchstarbeitszeit je nach Beschäftigtengruppe 45 oder 50 Stunden pro Woche. Für Ihren Angebotsvergleich zählt jedoch zuerst die konkret vereinbarte Normalarbeitszeit und wie zusätzliche Stunden behandelt werden.

Einfacher Zeitvergleich

Garantierter Jahreslohn ÷ vertragliche Jahresarbeitsstunden.

Das ist noch kein vollständiger Stundenlohn, macht aber Angebote mit unterschiedlichen Wochenstunden und Ferien vergleichbarer.

3. Was kostet der Arbeitsweg an Geld und Zeit?

Berechnen Sie beide Wege von Tür zu Tür zu den tatsächlichen Arbeitszeiten. Addieren Sie Abo, Fahrzeug, Parkplatz und regelmässige Zusatzkosten. Multiplizieren Sie die tägliche Pendelzeit mit den tatsächlichen Arbeitstagen.

Ein Lohnvorteil von 300 Franken pro Monat kann schnell unattraktiv werden, wenn dafür täglich 70 Minuten zusätzliche Reisezeit und höhere Mobilitätskosten entstehen. Bei einem Umzug muss zusätzlich geprüft werden, wie sich der Arbeitsort auf die Miete auswirkt.

4. Sind Vertrag und Probezeit gleich sicher?

Prüfen Sie Vertragsdauer, Probezeit, Kündigungsfrist, Stellenantritt und allfällige Bedingungen. Nach den Informationen von ch.ch gilt während der Probezeit grundsätzlich eine Kündigungsfrist von sieben Kalendertagen; vertraglich kann eine kürzere oder längere Frist vereinbart sein.

Ein unbefristeter Vertrag mit klarer Funktion ist anders zu bewerten als ein befristeter Vertrag, eine temporäre Stelle oder ein Angebot, das noch von Bewilligung, Referenzen oder Finanzierung abhängt.

Mit der vollständigen Checkliste im Ratgeber Arbeitsvertrag Schweiz prüfen kontrollieren Sie Jahreslohn, Mehrarbeit und Nebenbedingungen vor der Unterschrift.

Wichtig:

Lesen Sie den konkreten Vertrag und einen anwendbaren Gesamtarbeitsvertrag. Dieser Ratgeber ersetzt keine individuelle arbeitsrechtliche Prüfung.

5. Welche Zusatzleistungen haben echten Wert?

Bewerten Sie nur Leistungen, die Sie tatsächlich nutzen können. Dazu gehören beispielsweise Arbeitgeberbeiträge an Vorsorge, Verpflegung, ÖV, Parkplatz, Weiterbildung, zusätzliche Ferien, Homeoffice, Familienleistungen oder ein Fahrzeug.

Trennen Sie Geldwert und persönlichen Wert. Zwei zusätzliche Ferientage sind nicht direkt dasselbe wie 1'000 Franken, können aber für Betreuung, Familie oder Erholung wichtiger sein. Ein Geschäftsfahrzeug kann wertvoll sein – oder für den privaten Bedarf kaum helfen.

6. Welche Stelle verbessert die nächste Entscheidung?

Berücksichtigen Sie Aufgaben, Lernmöglichkeiten, Sprache, Zertifikate, Verantwortung und Marktwert nach zwei Jahren. Ein etwas tieferes Startangebot kann besser sein, wenn es eine klarere Entwicklung, anerkannte Weiterbildung oder einen stabileren Berufseinstieg ermöglicht.

Umgekehrt sollte ein vages Karriereversprechen keinen sicheren Lohnunterschied ersetzen. Fragen Sie nach konkretem Zeitpunkt, Kriterien und Zuständigkeit der nächsten Lohn- oder Rollenprüfung.

7. Welches Angebot funktioniert auch im schlechten Szenario?

Prüfen Sie, was passiert, wenn Bonus, Überstunden oder zweites Einkommen wegfallen. Berücksichtigen Sie Probezeit, Vertragsdauer und Umzugskosten. Das bessere Angebot ist häufig dasjenige, das auch mit konservativen Annahmen noch tragfähig bleibt.

Die Vergleichsmatrix

KriteriumAngebot AAngebot B
Garantierter Jahreslohn12/13 Löhne, ohne Bonus12/13 Löhne, ohne Bonus
ZeitWochenstunden + FerienWochenstunden + Ferien
ArbeitswegZeit + MonatskostenZeit + Monatskosten
SicherheitVertrag + ProbezeitVertrag + Probezeit
LeistungenGarantiert und nutzbarGarantiert und nutzbar
EntwicklungKonkreter nächster SchrittKonkreter nächster Schritt

Treffen Sie zuerst eine Geldentscheidung: Welches Angebot liefert nach Wohn- und Pendelkosten den höheren sicheren Jahreswert? Treffen Sie danach eine Risiko- und Lebensentscheidung. Wenn ein Angebot finanziell knapp gewinnt, aber deutlich mehr Zeit kostet oder unsicherer ist, sollte diese Differenz sichtbar bleiben.

Für den Budgetteil hilft der Ratgeber Welcher Lohn reicht in der Schweiz?

Angebot A oder B?

Vergleichen Sie mehr als den Bruttolohn.

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Offizielle Grundlagen

Quellen und Stand

Stand der redaktionellen Prüfung: 1. September 2026. Massgebend sind der konkrete Vertrag, ein allfälliger GAV und die persönliche Situation.